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Kindergeschichten / Gutenachtgeschichten mit Jonas

Inhalt

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Jonas sucht den Sinn des Lebens




Es war ein richtig mieser Tag gewesen. Jonas lag im Bett und dachte, dass er heute am Besten gar nicht aufgestanden wäre.
Schon am frühen morgen hatte Mama ihn mit äußerst unfreundlichen Worten aufgefordert, im Bad nicht so lange herumzutrödeln.
Dann bekamen sich Mama und Papa beim Frühstück in die Haare, weil Papa mal wieder eine leere Toilettenrolle auf dem Fensterbrett stehengelassen hatte und Mama es leid war, hinter allen herzuräumen, wie sie sagte. Über diesen Streit vergaßen beide, dass Jonas auch noch da war. Den ganzen Tag ging es so weiter. Jonas hatte keine Lust irgendetwas zu spielen, zu lesen, sich mit Freunden zu treffen oder sonst etwas Sinnvolles zu unternehmen. Der Tag war grau wie das Wetter und abends kam Jonas sich völlig unnütz und überflüssig vor.
Als Papa um die Ecke schaute, um ihm gute Nacht zu wünschen, bemerkte er Jonas griesgrämiges Gesicht. Früher lasen Mama oder Papa Jonas jeden Abend eine Geschichte vor, bis zu dem Tag, als Jonas das erste Mal selbst eine ganze Geschichte zu lesen schaffte.
"Na, mein Sohn, was ist dir denn über die Leber gelaufen?" fragte Papa.
"Der Tag war unnütz, die Welt ist unnütz und ich bin unnütz", antwortete Jonas. "Aha", sagte Papa, "der große Weltschmerz erreicht meinen Jonas. Habe ich dir eigentlich schon einmal die Geschichte von den vier Knöpfen erzählt?"
Jonas liebte Gute-Nacht-Geschichten, doch langsam fand er sich zu groß für solchen "Babykram", wie er Papa vor kurzer Zeit gesagt hatte.
Aber heute konnte eine Geschichte vielleicht doch noch seinen trüben Tag aufhellen. Also sagte er betont uninteressiert:
"Nein, aber kannst du ja mal erzählen."
"Okay", sagte Papa, der gerne die Tagesschau gesehen hätte, "die Tagesschau, die fällt heut´ aus, weil ich dich liebe, kleine Maus!
Also, es war einmal eine Großmutter, die sammelte ihr Leben lang die Knöpfe von alten, ausgedienten Kleidungsstücken. Sie trennte die Knöpfe ab und verwahrte sie in einem Schuhkarton.
"Wer weiß, für was sie noch einmal gut sind", pflegte sie zu sagen.
Sie hatte eine Enkelkind, welches sich die schönsten Knöpfe zum Spielen aussuchen durfte. Dieses Enkelkind suchte sich, wie Kinder das meistens tun, natürlich die außergewöhnlichsten Knöpfe aus.
Lange Zeit hütete das kleine Mädchen die Knöpfe wie einen wertvollen Schatz, aber wie das mit allem Spielzeug ist, irgendwann verliert es den Reiz und wird vergessen. Mittlerweile befanden sich die Knöpfe in einer kleinen Pappschachtel mit Deckel in der Krimskramskiste für aussortierte Spielsachen und fristeten auf dem Dachboden ein trostloses Dasein.
Eines Tages aber zupfte jemand an dem Deckel der kleinen Schachtel.
Es war ein neugieriger Spatz, der sich durch die einen Spalt breit geöffnete Dachluke gezwängt hatte, um den Dachboden zu erkunden.
Beim dritten Versuch gelang es ihm endlich, mit seinem Schnabel den Deckel der Pappschachtel zu entfernen. Geblendet von dem hellen Licht, blinzelten ihn vier Knöpfe aus der Tiefe an. "Wer seid ihr denn?" fragte der kleine Spatz. Ein grauer, mittelgroßer Knopf antwortete: "Vier längst vergessene Knöpfe, seit Jahren in dieser Schachtel, von niemandem vermisst und zu nichts nütze." Der lebenslustige kleine Spatz, der jeden Tag als ein neues, spannendes Abenteuer empfand, erwiderte: "Jedes Ding und jedes Lebewesen auf der Erde hat seinen Nutzen, dazu wurde es geschaffen."
"Was zu beweisen wäre", brummelte ein großer gelber Knopf mit riesigen Löchern mürrisch. Die anderen Knöpfe schwiegen zustimmend.
Die anderen Knöpfe, das waren ein silbern glänzender Metallknopf, welcher in der Sonne blinkte und glitzerte, und ein Perlmuttknopf, der in allen Farben des Regenbogens schimmerte, je nach dem, wie man ihn ins Licht hielt.
Dieser letzte war eigentlich der schönste von allen, da ihm aber ein Stück heraus gebrochen war, empfand er sich als besonders nutzlos.
"Nun, ich werde euch vom Gegenteil eurer düsteren Gedanken überzeugen", sprach der Spatz, schnappte sich mit spitzem Schnabel den grauen Knopf und flog durch die Dachluke davon.
Nach kurzem Flug landete er auf dem Fensterbrett eines Kinderzimmers einer Doppelhaushälfte. Er hüpfte durch das offene Fenster und legte den Knopf behutsam auf das Bett neben einen Teddybären, der nur ein Auge besaß. Na, Jonas, ich glaube, du kannst dir schon denken, dass dieses Knopfauge haargenau dem grauen Knopf glich." Jonas schmunzelte: "Erzähl weiter", bat er seinen Papa.
Jonas Vater fuhr fort: "Zur Schlafengehzeit betrat ein kleiner Junge das Zimmer und traute seinen Augen nicht. "Mama, Teddys zweites Auge ist wieder da", rief er freudestrahlend. "Na so was", antwortete seine Mutter,
"wo wir doch überall vergebens gesucht haben, Sachen gibt´s!"
"Danke", rief der graue Knopf, doch der Spatz war schon längst verschwunden, um den zweiten Knopf zu holen.
Er sauste durch die Dachluke, ergriff den großen, gelben, mürrischen Knopf und machte sich erneut auf die Reise.
Auf seinen abenteuerlichen Ausflügen war er des öfteren beim Zirkus Ravelli zwischengelandet und der Clown Pepe hatte ihm die eine oder andere Leckerei zugeworfen. Doch beim letzten Besuch war Pepe ziemlich traurig gewesen. An seinem Clownskostüm hatte sich ein besonders großer Knopf mit besonders großen Löchern befunden, durch die er, verbunden durch eine Leitung zu einer Wasserflasche in seiner Hosentasche, das Publikum nass spritzte.
Ausgerechnet dieser Knopf war ihm beim Proben abgerissen und unauffindbar. Der Spatz legte den gelben Knopf behutsam auf die oberste Stufe von Pepes Wohnwagen und klopfte energisch mit seinem Schnabel an die Tür.
Wie groß war die Freude von Pepe, als er den Knopf entdeckte, der genau die passende Größe für den Wasserspaß seiner Zirkusnummer hatte. Den dritten Knopf, den silbernen, den unser kleiner Spatz geschwind geholt hatte, schenkte er seiner besten Freundin, der Elster Elsa, die alles, was glitzerte und blinkte, von Herzen liebte und auch manchmal stahl. Dort diente der Knopf noch viele Jahre als liebstes Spielzeug für die Elsterkinder. Jetzt war nur noch der letzte, bunt schillernde Perlmuttknopf mit der abgebrochenen Ecke übrig. Stumm und traurig lag er in der Schachtel, da er jetzt, wie er meinte, nicht nur unnütz war, sondern auch noch sehr einsam. Erneut sauste der Spatz durch die Dachluke und griff sich mit spitzem Schnabel den Trauerkloß und flog mit ihm direkt zum städtischen Knopfmuseum.
Der Direktor führte gerade eine Besuchergruppe vor einen Schaukasten und rief mit vor Stolz bebender Stimme: "Meine sehr geehrten Damen und Herren, hier sehen sie ein kleines Stück eines äußerst wertvollen, antiken, bunt schillernden Knopfes, dessen größerer Teil leider bis auf den heutigen Tag verschwunden blieb."
In diesem Moment warf der Spatz den Knopf durch das leicht geöffnete Oberlicht des Museums und dieser fiel direkt vor die Füße des Museumsdirektors, der seit diesem Tag wieder an Wunder glaubte, die direkt vom Himmel kamen. Der bunt schillernde Perlmuttknopf war wieder ganz und wurde die Attraktion des Knopfmuseums.
Erschöpft und zufrieden ließ sich am Abend der kleine Spatz auf einem Ast nieder und kaum dass er saß, schlief er mit einem glücklichen Lächeln auf dem Schnabel auch schon ein.
Doch wie groß war erst die Freude bei vier Knöpfen, die, jeder auf seine Weise, ihren Platz in der Welt gefunden hatten.
Ich hoffe, dass auch mein Jonas jetzt einsieht, dass jeder Mensch auf dieser Erde einzigartig ist und eine wichtige Aufgabe im Leben zu erfüllen hat, für die ihn Gott vorherbestimmt hat."
"Ja", sagte Jonas, "danke Papa, das war eine wunderschöne Geschichte und nun werde ich, wie der kleine Spatz, schnell einschlafen."
"Gute Nacht, mein Knöpfchen, schlaf gut", sagte Papa und zog behutsam die Tür hinter sich zu, als er aus dem Zimmer ging.

Autor: Hans-Georg Wigge



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