Studienreisen, Naturaufnahmen, Weisheiten, Gedichte und mehr ...

Kindergeschichten / Gutenachtgeschichten mit Jonas

Inhalt

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

(Mit obiger Navigationsleiste kann innerhalb des Kindergeschichten-Menüs geblättert werden)


Jonas erstes Spiel




Endlich war es soweit. Herr Wuttke hatte Jonas benachrichtigt, dass sein Pass, der Jonas berechtigte, offiziell an Fußballspielen teil zu nehmen, von der Anmeldestelle zurückgekommen war. Ab sofort war Jonas ein echter Vereinsfußballer in der F-Jugend. Da in den Ferien keine Meisterschaftsspiele statt fanden, hatte Herr Wuttke am Samstag ein Trainingsspiel gegen das F-Jugendteam des Nachbardorfes vereinbart.
Herr Wuttke, der in den letzten Ferienwochen bereits wieder mit dem Trainingsbetrieb begann, verteilte nach dem Dienstagstraining an jede anwesende Spielerin und jeden anwesenden Spieler kleine Zettel auf denen der Treffpunkt und die Abfahrtszeit für das Spiel am Samstag stand. Die Tage bis dahin vergingen für Jonas zäh wie Teer und am Freitagabend hörte Jonas wieder einmal die Kirchturmuhr elf Mal schlagen, weil er vor lauter Aufregung nicht einschlafen konnte.
Dann war endlich Samstag. Am Frühstückstisch saß ein appetitloser Jonas, der vor Nervosität mehrmals zur Toilette musste.
"Was ist denn nur mit dir los", fragte Mama, die als Antifußballerin absolut keine Ahnung von der Nervosität eines kleinen Jungen hatte, der soeben seine verheißungsvolle Karriere zum Nationalspieler begann.
20 Minuten vor dem vereinbarten Treffpunkt befand sich Jonas bereits am Vereinsheim. 7 Jungen und 3 Mädchen waren für das heutige Spiel von Herrn Wuttke bestellt worden. Herr Wuttke fuhr den alten, klapprigen, aber noch verkehrssicheren Vereinsbulli, in den Jonas mit 6 anderen Kindern einstieg. Die anderen drei fuhren mit einem Vater eines Mitspielers in dessen PKW mit. Vor dem Spiel versuchte Herr Wuttke, den Kindern zu erklären, wie er das gegnerische Team besiegen wollte, doch Jonas hörte vor lauter Aufregung gar nicht richtig zu.
"Also, Kinder, macht euch warm, wie wir es im Training geübt haben und vergesst nicht unseren Kreis vor dem Spiel."
Wie die Bundesligamannschaften bildete das Team von Jonas vor dem Spiel einen Kreis und feuerte sich mit einem Schlachtruf an.
Dann begann das Spiel. Beide Teams waren absolut gleich stark. Das drückte auch der Halbzeitstand von 0:0 aus.
Kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit rückte Jonas erster Auftritt näher.
"Wärme dich noch einmal richtig auf, Jonas, gleich kommst du ins Spiel", sagte Herr Wuttke zu Jonas. Dann war es soweit. Jonas sauste wie aufgedreht hin und her und Herr Wuttke forderte ihn einige Male auf, seine Position beizubehalten. Mitte der zweiten Halbzeit hatte Jonas mit einem klugen Pass auf der rechten Seite den wieselflinken Ümit auf die Reise geschickt. Ümit dribbelte fast bis zur Grundlinie mit dem Ball und versuchte, statt den Ball nach innen zu dem frei stehenden Benjamin zu passen, aus spitzem Winkel ein Tor zu erzielen. Das misslang aber völlig.
"Ey, du schwarzfüßiger Asy", brüllte Benjamin Ümit an, "warum spielst du Penner nicht ab?"
Daraufhin hatte Herr Wuttke Benjamin sofort ausgewechselt. Dieser saß schmollend die restliche Spielzeit auf der Ersatzbank, trotzdem er einer der Besten des Teams war. Fünf Minuten vor dem Ende des Spieles kam Jonas´ großer Auftritt. Wieder einmal hatte Ümit sich rechts durchgespielt, passte nach innen zu Jonas, der seinen Gegenspieler mit einer Finte austrickste und den Ball überlegt in die rechte Ecke des Tores schob. Das Glücksgefühl und das Kribbeln im Bauch, das Jonas spürte, fühlten sich an wie bei der Weihnachtsbescherung.
Doch lange hielt dieses Glück nicht. In der letzten Spielminute lief der gegnerische Mittelstürmer allein auf das Tor von Jonas´ Team zu und drosch mit Gewalt hinter den Ball. Das Metall schepperte und der Ball sprang zurück ins Spielfeld. Alles ging blitzschnell und die tief stehende Sonne war mit dafür ausschlaggebend, dass niemand bemerkt hatte, dass der Ball nicht von der Torlatte zurück ins Spielfeld gesprungen war, sondern vom Gestänge im Tor, über welches das Netz des Tores gespannt war. Niemand protestierte außer… Herr Wuttke!!
"Schiedsrichter", rief er so laut er konnte, "das war ein Tor, der Ball war drin und ist vom inneren Torgestänge zurück ins Feld geprallt!"
Jonas und der Rest seines Teams konnten es nicht fassen. Ihr Trainer, ein Verräter! Der Schiedsrichter gab das Tor und pfiff das Spiel erst gar nicht mehr an. In der Kabine war die Hölle los. Wütend und empört saßen die Mädchen und Jungen mit roten Köpfen auf den Bänken.
Als Herr Wuttke kurz die Kabine betrat, konnte sich ein Junge nicht im Zaum halten und bezeichnete ihn als Verräter und schlechten Trainer.
Herr Wuttke bat um Ruhe: "Ich möchte, dass ihr viel Spaß am Fußball habt, dass ihr merkt, nur gemeinsam können wir etwas erreichen. Natürlich gewinne ich auch gerne mal ein Spiel, aber das ist nicht das Wichtigste. Das Wichtigste ist, merkt euch das für unsere Spiele und am besten für das ganze Leben, fair zu sein und gerecht miteinander umzugehen. Über einen Sieg, der durch Betrug errungen wurde, kann ich mich nicht freuen und ich wünschte mir, dass es euch genauso erginge.
Ehrlich währt am längsten, ein altes, aber sehr wahres Sprichwort! Das soll unser Motto sein. Wem das nicht passt, der darf gerne bei einem anderen Verein Fußball spielen. Jetzt duscht euch, zieht euch um und denkt in einer stillen Stunde noch einmal über meine Worte nach!"
Als Jonas abends seinen Eltern von seinem ersten Spiel Bericht erstattete und genau beschrieb wie das 1:1 zu Stande gekommen war, lobten sie Jonas in den höchsten Tönen.
Nur Herrn Wuttke lobten sie noch ein wenig mehr. Nachher sagte Papa an Jonas´ Bett: "Ich freue mich, dass du in einem Team spielst, welches von so einem tollen Sportsmann geleitet wird." Dann schlief Jonas erschöpft und glücklich ein und träumte in dieser Nacht von seinem ersten Länderspiel. Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende.
Am darauf folgenden Dienstag beim Training waren alle wieder dabei und mit großem Spaß bei der Sache. Zehn Minuten hatte sich Herr Wuttke mit Benjamin allein unterhalten, der daraufhin ein Gespräch mit Ümit führte. Nach dem Abschlussspiel bat Herr Wuttke alle Spielerinnen und Spieler in den Mittelkreis. Dann verteilte er die gelben Übungshemdchen, die zur Unterscheidung der Teams bei Übungsspielen dienten. Eigenartigerweise bekamen alle ein Hemdchen in die Hand gedrückt. "Bitte rollt die Hemdchen zusammen und bindet sie euch um die Augen, aber ohne einen Ton zu sagen, absolute Ruhe bitte!" sagte Herr Wuttke. Jedes einzelne Mitglied des Teams wurde nun von ihm im Mittelkreis herumgeführt, bis es nicht mehr wusste, wo es war.
"Nun fassen wir uns alle an den Händen und bilden blind einen Kreis", fuhr Herr Wuttke fort. Das war ein Gesuche und Gestolpere, doch nachdem Herr Wuttke ein wenig Hilfe geleistet hatte, bildete sich endlich der Kreis der Kinder, die sich an den Händen gefasst hielten.
"So, Melanie, wen hast du zur linken und zur rechten an der Hand?" fragte Herr Wuttke dann.
"Weiß ich nicht, ich spüre nur je eine Hand", antwortete Melanie.
"Wie ist es bei dir, Jonas?"
"Mir geht es genauso wie Melanie", sagte Jonas.
"Was ist mit dir, Benjamin", bohrte Herr Wuttke weiter.
"Ich kann auch nur raten", antwortete Benjamin.
"Okay", sagte Herr Wuttke, "nehmt die Augenbinden ab.
Ich wollte euch damit zeigen, dass alle Menschen auf dieser Welt gleich sind. Es gibt keine Inländer und Ausländer, sondern nur Menschen.
Wir, die wir nur das Glück haben, hier geboren zu sein, in einem reichen Land, haben nicht das Recht, andere Menschen, egal in welcher Form, zu beschimpfen oder uns für besser zu halten. Unsere Nahrung kommt mittlerweile aus der ganzen Welt, unsere Autos, unsere Kleidung. Alle gemeinsam müssen wir für eine gerechte Welt kämpfen, denn es gibt nur Menschen auf der Welt. Was Benjamin am Samstag zu Ümit gesagt hat, war dumm und er hat sich entschuldigt. Ümit hat die Entschuldigung angenommen, damit ist die Sache erledigt. Merkt euch: In unserem Team wird Fußball gespielt, um miteinander friedlich Sport zu treiben und uns im Guten mit anderen zu messen. Auf dem Sportplatz ist kein Platz für Hass und Gewalt. Wir sehen uns zum nächsten Training am Donnerstag!"
Herr Wuttke hatte für einige Aufgaben beim Training einen Plan aufgestellt. Gut geplant ist halb getan, sagte er immer. Mit dem Wegräumen der Trainingsmaterialien wie Hütchen, Bälle und so weiter waren nach diesem Training Benjamin und Jonas dran.
Jonas hatte sich das Netz mit den Bällen geschnappt und räumte nun einen nach dem anderen in den Ballschrank. Einer der Bälle war völlig luftlos. Jonas nahm ihn und ging damit zu Herrn Wuttke.
"Hier ist ein völlig schlapper Ball", sagte er zu ihm.
"Ach ja, hat das gute alte Stück endlich ganz seinen Geist aufgegeben.
Das ist unser ältester Trainingsball. Der verlor seit geraumer Zeit schon immer sehr schnell die Luft. Nun scheint das Ventil ganz hin zu sein", erwiderte Herr Wuttke. Dann betrachtete er nachdenklich den platten Lederball. Plötzlich sagte er. "Ich habe eine Idee, wie wir den Ball noch sinnvoll nutzen können" und ging zu seinem Auto. Dann kam er mit einem Schweizer Taschenmesser und einer Kombizange zurück. Mit dem Messer schnitt er einen großen Schlitz in den Lederball, so dass er die Gummiblase mit der Kombizange zu fassen bekam. Dann zog er sie unter großer Mühe und vielem Stöhnen durch den Schlitz und schnitt sie ab.
"Jetzt wollen wir doch einmal beweisen", sagte er, "ob wir wirklich eine Mannschaft sind, die das, was wir in letzter Zeit erlebt haben, beherzigt und neben dem Fußball auch ein Herz für andere hat. Wir starten ab sofort die Aktion "Ein Ball für Pakistan". In Pakistan hat es ein furchtbares Erdbeben gegeben und viele Menschen müssen trotz schlimmsten Wetters mit ihren Familien draußen im Freien übernachten.
Wir wollen eine Spendenaktion starten um Geld für diese Menschen zu sammeln und es Misereor zur Verfügung zu stellen. Du fängst an, Jonas. Jeder Spieler bekommt den Ball einen Tag nach Hause und sammelt im Verwandten- und Bekanntenkreis soviel wie möglich. Nach diesem Tag bringt er den Ball zum nächsten Spieler oder der Spielerin und so weiter.
Da wir 12 Spieler und Spielerinnen haben, müsste der Ball nach meiner Rechnung am 13. Tag wieder bei mir landen. Zudem wette ich mit euch, dass ihr es nicht schafft, 150 Euro zusammen zu bekommen.
Wenn doch, lege ich aus eigener Tasche 50 Euro dazu."
Mit diesen Worten drückte er Jonas den Ball in die Hand, nachdem er ein 2 Euro Stück hineingeworfen hatte. " Das ist das Startkapital", sagte er, "Okay, bis zum nächsten Training".
Als Jonas mit dem Ball nach Hause kam, ließen sich Mama und Papa nicht lumpen und auch der Märchenopa, der Eingemachtes von der Oma brachte, warf eine gehörige Portion Kleingeld in den Ball.
Am nächsten Tag brachte Jonas den Ball zum nächsten Mitspieler.
Der Ball kam nicht nach dreizehn Tagen wieder bei Herrn Wuttke an, da einige Kinder noch mit ihren Eltern in Urlaub waren. Aber um es vorweg zu nehmen, als Herr Wuttke nach vier Wochen mit dem Mannschaftskapitän das Geld zur Sparkasse brachte, um es in der Zählmaschine zählen zu lassen, traute er seinen Ohren nicht, als die nette Bankangestellte sagte: "In dem Ball waren 346,50 Euro."
Herr Wuttke war völlig platt. Er stockte den Betrag auf 400 Euro auf und überwies das Geld an Misereor. Papa sagte immer: Gutes zieht Gutes an. Und so war es auch. Frau Sievers vom Eine-Welt-Laden, deren Sohn bei Jonas im Team spielte, war von der tollen Aktion so begeistert, dass sie der F-Jugend spontan einen Ball aus fairem Handel als Dank überreichte. Abends wollte Jonas von seinem Papa wissen, was das heißt.
"Fairer Handel heißt, die Menschen, die den Ball herstellen, werden so gerecht entlohnt, dass auch sie ein menschenwürdiges Leben mit ihren Familien führen können. Das ist bei den großen Marken, die zum Beispiel die Bundesligamannschaften benutzen, nicht immer so", erklärte Papa. Die Aktion "Ein Ball für Pakistan" schlug so hohe Wellen, dass sogar eine große Zeitung einen Bericht mit einem Bild darüber brachte.
Die Überschrift lautete: Fußball, mehr als ein 1:0!
Als Papa ihn las, sagte er: "Da sieht man mal wieder, wie recht Erich Kästner hatte, der sagte: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es!
Auch Herr Wuttke war stolz auf sein Team und spendierte beim nächsten Training nach der Aktion Mohrenköpfe bis zum Abwinken!
"Das war bisher euer größter Sieg!" lobte er die F-Jugend.
Am Abend im Bett entdeckte Jonas bei seinem geliebten Kuschelhund Wuffel ein Schild: Made in Taiwan!
Es gab nur Wuffel, keine inländischen oder ausländischen und es gab nur eine Erde für alle.
Recht hatte Herr Wuttke!

Autor: Hans-Georg Wigge



Weitere Kindergeschichten finden Sie auf www.christkids.de unter christliche Kindergeschichten




christliche Kinderwebsite

mit dem Tausendfüßler Raphael
... mit biblischen Botschaften

www.christkids.de

Buchneuerscheinung!


Nun auch Band 2 erschienen

Kindern biblische Geschichten und geistliche Grundwahrheiten vermitteln.

Raphael-Kinderbücher