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Kindergeschichten / Gutenachtgeschichten mit Jonas

Inhalt

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Alles Käse bei Jonas




So unglaublich es erscheinen mag, aber Jonas war eines der seltenen Kinder, welches Käse jeder Art für ihr Leben gern mochten.
Ganz besonders hatte es ihm ein recht stark riechender Käse in Rollenform angetan.
Samantha hingegen verließ fluchtartig das Esszimmer, wenn dieser Käse den Frühstückstisch zierte. "Wie könnt ihr nur all´ dieses schimmelige, modernde, stinkige Zeug essen?" fragte sie mit angeekelt verzogenem Gesicht, bevor sie das Weite suchte.
Nun ist es ja meistens so, dass die Eltern darauf bestehen, Beilagen, wie eben jenen Käse, auf das Brot zu legen. Die Kinder würden aber am liebsten etwas, was sie gerne mögen, nur ohne Brot verspeisen. Das war bei Jonas nicht anders. Als er sich an diesem Nachmittag zwischendurch ein leckeres Käsebrot mit dem Käse der stinkigen Art gemacht hatte, war nur noch ein kleiner Rest in der Packung, den es nicht lohnte aufzuheben.
Diesen Rest nahm Jonas mit auf sein Zimmer und legte ihn hinter seine Sport-T-Shirts, um ihn am Abend als kleines Betthupferl vor dem Zähne putzen zu verspeisen. Doch meistens kommt es anders als man denkt… Jonas zog sich Sportsachen an, da er um 16.00 Uhr zum Inline-Hockey mit einigen Kindern der Straße im Rondell verabredet war.
Für jede sportliche Betätigung, die wild war und bei der es um Sieg oder Niederlage ging, war Jonas immer zu haben.
Da klingelte es bereits an der Tür und Tim kam, um ihn abzuholen.
Flugs waren zwei gemischte Teams aus Mädchen und Jungen gebildet.
Dann begann ein wildes Raufen und Rempeln, da einige Kinder das Inliner fahren noch nicht so gut beherrschten.
Jonas, der bereits seit längerem auf den Rollen fuhr, führte gerade mit seinem Schläger den Ball in Richtung gegnerisches Tor, als ein Gegenspieler des anderen Teams, der noch sehr wackelig auf den acht Rollen stand, ins Straucheln geriet und ihm seitwärts beide Beine unter dem Körper wegriss. Dabei fiel Jonas mit der Oberlippe so unglücklich auf den Stiel seines eigenen Hockeyschlägers, dass die Oberlippe gespalten wurde. Seinen Aufprall mit dem Kopf auf den Asphalt dämpfte der Fahrradhelm, den Jonas auf Weisung seiner vorausschauenden Mutter immer aufsetzen musste. Eigenartigerweise bemerkte Jonas anfangs gar nichts von der stark blutenden Oberlippe. Nur das Gefühl, dass etwas warmes sein Kinn herab lief, deutete darauf hin, dass etwas passiert sein musste. Geschockt standen die anderen Kinder um Jonas herum, bis Tim losrannte und schnellstens die Eltern von Jonas benachrichtigte. Jonas´ Papa kam im Sauseschritt, nahm Jonas auf den Arm und trug ihn ins Haus. Zwischenzeitlich hatte Mama bereits beim Hausarzt der Familie angerufen, dessen Praxis aber bereits geschlossen war und dessen Anrufbeantworter für Notfälle auf die Ambulanz des Krankenhauses in einer Kleinstadt in der Nähe des Dorfes verwies.
Mama drückte Jonas einen Eisbeutel in die Hand, den er auf die Oberlippe presste. Dann fuhr er mit Papa zum Krankenhaus.
Die Wunde blutete schon etwas weniger, doch die Oberlippe war
so stark angeschwollen, dass Jonas das Gefühl hatte, eine dicke Banane unter der Nase zu haben. Im Krankenhaus meldeten sich die beiden in der chirurgischen Ambulanz, in der zwei weitere Unfallopfer saßen.
Ein Mädchen, dessen Knöchel verbunden war und eine ältere Dame, die sich ihr rechtes Handgelenk mit schmerzverzerrtem Gesicht hielt.
Beiden wurden nun von einer netten Arzthelferin aufgefordert, sich mit einem Zettel zur Röntgenabteilung zu begeben.
So kam es, dass Jonas sofort ins Behandlungszimmer des Arztes geführt wurde. Der stellte sich vor, schaute sich die Wunde an und meinte dann:
"Das ist nicht so schlimm, das kriegen wir wieder hin. Es muss aber mit ein paar Stichen genäht werden."
Dann wandte er sich an Jonas´ Papa: "Ist Jonas gegen Tetanus geimpft?" fragte er ihn. Das bejahte Papa und schon begann der Arzt eine Spritze aufzuziehen. "Ich betäube nun den Bereich um die Wunde und dann wirst du überhaupt nichts vom Zusammennähen der Oberlippe merken", erklärte er Jonas. Vorsichtig setzte er die Spritze rund um den Wundenbereich und Jonas merkte nach kurzer Zeit, wie die Lippe sich anfühlte als gehörte sie nicht mehr zu seinem Gesicht.
Nach wenigen Minuten war der Arzt mit dem Nähen fertig.
Währenddessen erzählte er Jonas, dass es früher zum guten Ton unter jungen Männern gehört hatte, das Gesicht mit Narben zu verzieren und dass sich einige sogar selbst Narben beibrachten, da das unter den jungen Mädchen den Eindruck erwecken sollte, es mit einem besonders wilden, männlichen Typen zu tun zu haben.
Um Jonas ein wenig aufzuheitern sagte er plötzlich:
"Oh je, jetzt habe ich vor lauter Erzählen versehentlich die Zunge mit an der Oberlippe festgenäht!"
Jonas´ entsetztes Gesicht veranlasste ihn aber, schnell hinzuzufügen: "War nur ein Scherz!"
Jonas´ Papa jedoch klinkte sich schnell ein und sagte: "Machen Sie das ruhig, dann hält er mal einen Tag seinen ewig plappernden Mund."
Das aber tat Jonas sowieso die nächsten Tage, auch ohne das Festnähen der Zunge, denn nachdem die Betäubung der Oberlippe nachließ, hatte Jonas doch arge Schmerzen, die ihn für einige Tage beim Essen oder Reden begleiteten.
"Da hast du noch einmal großes Glück gehabt, Jonas, du hättest dir auch Zähne ausschlagen können oder gar kleine Knochenstücke aus dem Kiefer, dann wärest du nicht mit so einer einfachen Behandlung davon gekommen, sagte der Arzt, bevor er ins nächste Behandlungszimmer ging, "also alles Gute und vorsichtiger beim Inline-Hockey, Tschüss!"
An der Anmeldung musste Papa nun noch die Daten der Krankenversicherung angeben. Danach machten sich zwei erschöpfte
und müde Männer auf den Heimweg.
Bereits eine Woche später zog Jonas´ Hausarzt die Fäden.
"Tolle Naht, und wenn man später noch etwas sehen sollte, dann lässt du dir als Erwachsener einfach einen Schnauzer wachsen", sagte er, als er die Fäden zog. Drei Tage nach dem Unfall geschah aber noch etwas, was wir hier nicht vergessen wollen zu erzählen. Am Abend nach dem Unglück hatte Jonas nur noch etwas Flüssiges zu sich genommen, da er Schmerzen hatte und auch zu müde war, etwas Festes zu essen. So kam es, dass der kleine, stinkende Typ mit Namen Käse, der hinter Jonas Sportsachen im Kleiderschrank saß, vergessen wurde.
Fröhlich dünstete er zwei Tage vor sich hin.
Am ersten Morgen, als Mama die Schlafzimmertür von Jonas öffnete, um ihn zu wecken, sagte sie: "Jonas, hast du irgendwo noch ein paar schmutzige Socken liegen? Es riecht sehr stark nach ungewaschenen Füßen, wenn man dein Zimmer betritt." Das verneinte Jonas.
Am zweiten Tag nach dem Unglück schickte Mama Papa abends auf den Dachboden über Jonas Zimmer, damit er nachsah, ob nicht etwa ein kleines Tier auf dem Dachboden verweste. Aber vergebens.
Am dritten Tag wollte Mama die frisch gebügelte Wäsche in Jonas Kleiderschrank einsortieren.
Als sie die Kleiderschranktür öffnete, wäre sie beinahe bewusstlos geworden.
Der stinkige kleine Käse hatte sich im ganzen Kleiderschrank mit seinem Geruch ausgebreitet und auch Jonas gesamte dort lagernde Kleidung mit seinem Aroma beglückt.
Als Mama Jonas nach oben rief und er sie mit zugekniffener Nase vor dem Kleiderschrank stehen sah, roch er selbst die Bescherung und glühendheiß fiel ihm der kleine Käsefreund ein, dem er vor Tagen Quartier im Kleiderschrank gegeben hatte.
Nicht nur der Käse, auch Mama war darüber äußerst stinkig.
Sie musste die gesamte Wäsche im Schrank waschen.
Jonas lernte aus genau diesem Grund das Bügeln, denn das, hatte Mama gesagt, ist die Mindeststrafe für die Sauerei.
Nachdem Jonas unter Anweisung seiner Mama auf diesem Weg das Bügeln erlernt hatte, dachte er abends im Bett:
Heute war wirklich alles Käse gewesen, und musste dann über dieses Wortspiel schmunzeln.

Autor: Hans-Georg Wigge



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