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Gesellschaftskritik und Gedanken zu aktuellen Dingen

Inhalt

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Kreuzzügler


Entgegen der landläufigen Meinung oder gar Überzeugung ist der „Kreuzzug“ von der Sache her nicht originär „christlich“. Schlägt man im American College Dictionary, Ausgabe 1967, unter dem Stichwort Jihad nach, findet man unter Bedeutung 2 die Definition any crusade (diese und die beiden weiteren Hervorhebungen vom Leserbriefschreiber), as against some belief. Nicht weniger aufschlussreich ist die Definition 2 von Heilige Kriege im LINGEN LEXIKON: religiös sanktionierte Kriege, so die Kreuzzüge und bei den islamischen Völkern der Dschihad (arab. Anstrengung), der Glaubenskrieg gegen Nichtmohammedaner; zur Teilnahme waren alle waffenfähigen Mohammedaner verpflichtet.
Den „christlichen“ Kreuzzügen gingen, was in der Diskussion so gut wie unerwähnt bleibt, arabische Eroberungszüge voraus. So wurde sechs Jahre nach dem Tod Mohammeds Jerusalem von Kalif Omar erobert (ca. 638) und im Jahr 1071 ganz Palästina von den türkischen Seldschuken (letzteres war der Auslöser der „Kreuzzüge“). Der Zurückeroberung der kurz unter christliche Herrschaft gelangten Stadt Jerusalem durch Sultan Saladin im Jahr 1187 folgten noch weitere Kreuzzüge, die aber nichts daran ändern konnten, dass der Dschihad im „Heiligen Land“ letztlich zum Ziel kam.
Das hatte er bereits rund 450 Jahre zuvor in Europa versucht. Im Jahr 732 aber konnte Karl Martell durch den Sieg bei Poitiers (im heutigen Mittelfrankreich) das Frankenreich vor der islamischen Herrschaft bewahren.
Dass die „Kreuzzüge“ in der Geschichte der Christenheit kein Ruhmesblatt sind, wird heute von niemandem ernsthaft bestritten. Der Dschihad dagegen wird gerade in unseren Tagen erneut als legitimer Kampf gegen die nichtislamische Welt und die „Kreuzzügler“ gepriesen und sanktioniert. So besteht kein Anlass, sich durch das Totschlagargument „aufs Kreuz“ legen zu lassen.
Kaum bekannt ist übrigens, dass auch Saddam Hussein dem Dschihad nicht abhold war. Kurz vor seinem Sturz war im Fernsehen zu sehen, wie er martialisch seine Al-Kuds-Brigaden aufmarschieren ließ. Al Kuds bedeutet „Die Heilige“ und ist die arabische Bezeichnung für Jerusalem. Hier mag ein jeder seine eigenen Schlussfolgerungen ziehen.



Leserbrief zum Bericht des deutschen Verfassungsschutzes in factum 4/2007: "Deutschland zählt für die 'Mudschahedin' (Kämpfer des Dschihad) zum Lager der 'Kreuzzügler'" (abgedruckt in factum 5/2007


(Autor: Gerhard Nißlmüller)



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