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Gesellschaftskritik und Gedanken zu aktuellen Dingen

Inhalt

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Nostalgie verkehrt


Je älter man wird um so schneller scheint die Zeit zu vergehen. Ja, sie scheint regelrecht dahinzurasen. Was einem in der Erinnerung erst "kürzlich" gewesen zu sein scheint, liegt, beim genauen Hinsehen, schon 20 Jahre zurück. Am 13. August wurde im Jahre 1961 die Mauer gebaut, die sich mitten durch Berlin zog und jetzt sind es schon bald wieder 20 Jahre her, dass die Mauer gefallen ist und die Wiedervereinigung Deutschlands eingeleitet wurde. Ich, der ich selbst aus der ehemaligen DDR komme, freue mich darüber, dass es möglich ist z.B. nach Sachsen und Thüringen zu fahren.

In den letzten 20 Jahren wurden naturgemäß viele Menschen geboren, die jetzt zum Teil junge Erwachsene, Jugendliche oder noch Kinder sind, und was mich hier erstaunt, verwundert und zum Teil auch traurig stimmt ist, dass die meisten jungen Leute so gut wie nichts über die vorangegangenen 40 Jahre DDR und der Teilung Deutschlands wissen.

Ich weiß nicht, ob ich da nur traurig oder auch verärgert sein soll.

Während die 12 Jahre des Dritten Reichs und der Naziherrschaft allgegenwärtig sind und man sich nach wie vor ständig bemüht auch noch die letzten dunklen Stellen aufzuhellen, ja nicht nur das, man denkt auch darüber nach, ob es nicht noch weiteres "Unrecht aufzuarbeiten gilt", z.B. das, was den Bewohnern ehemaliger deutscher Kolonien in Südwestafrika widerfahren ist, wird über die 40jährige kommunistische Diktatur im Osten Deutschlands, mit all ihrem Unrecht, der Mantel des Schweigens gebreitet.

Das hat zur Folge, dass junge Leute falsche und zum Teil recht romantische Vorstellungen über die DDR haben und meinen, dass es sich dort recht gut leben ließ. Mancher hält sogar den Altbundeskanzler und SPD-Politker Willy Brandt für einen DDR Politiker, der die Mauer gebaut hat.

Woran kann das liegen?

Im Gegensatz zu 1945 ist Deutschland 1989 nicht "zusammengebrochen". Der Zusammenbruch 1945 hatte zur Folge, dass alle Deutschen entnazifiziert wurden und es schwerer war, Dinge unter den Teppich zu kehren, wenngleich viele Altnazis im Westen Deutschlands sehr schnell wieder in Amt und Würden kamen. In der DDR, war man, schon aus ideologischen Gründen, im Hinblick auf ehemalige Nazis viel rigeroser, wenngleich auch dort "brauchbare Altnazis" durchaus mit einem blauen Auge davonkommen konnten. Nur dann, wenn sie "auffielen", erinnerte man sich an deren Taten und hatte einen Vorwand, sie vor Gericht zu stellen und damit aus dem Verkehr zu ziehen.

Im übrigen waren in der Nachkriegszeit die gleichen Aussagen, wie auch jetzt wieder, nur mit anderen Vorzeichen, zu hören, nämlich "dass man nur seine Pflicht getan habe", "es so schlimm ja auch nicht war, sondern, ganz im Gegenteil, dass 3. Reich (die DDR) auch seine / ihre guten Seiten hatte und im übrigen "damals" vieles besser war, als es heute ist".

In der Bundesrepublik kommt hinzu, dass die alte SED, zunächst unter der Bezeichnung PDS weiter am Leben blieb und heute in der Partei "Die Linken" aufgegangen ist. Die alten SED Kader können sich so frech brüsten und ihre kommunistischen Ideen weiterhin forsch vertreten. "Natürlich" haben sie zu DDR-Zeiten "nur das Beste gewollt", "auch nur ihre Pflicht getan" und "so schlimm sei das gar nicht gewesen", "alles nur reaktionäre Propaganda". "Sie werden völlig zu Unrecht in ein falsches Licht gestellt und verleumdet, gewissermaßen, sei das die Rache der Sieger". Und wenn man einen der "Täter" mit Namen nennt, muss man aufpassen, nicht noch, "wegen der Verletzung von Perönlichkeitsrechten" des "Datenschutzes" belangt zu werden. (Ein Privilig auf das sich Nazi-Täter, auch in unser Zeit, nicht berufen können.) Im Gegensatz zur Nazidiktatur wird heute seitens der Politik beschwichtigt: "Man müsse das alles - endlich - vergessen, einen Neuanfang machen" usw. In Bezug auf die Nazis und das Dritte Reich ist solches natürlich streng verpönt. (Im Gegensatz zu den "Linken" eignet sich die NPD auch weniger als Koalitionspartner z.B. zum Erreichen politischer Macht.)

Es wird also mit zweierlei Maß gemessen.

Obwohl die kommunistische Gewaltherrschaft, verglichen mit dem Faschismus, ein Vielfaches an Opfern gefordert hat, kann man das Dritte Reich, trotz mancher Paralellen, nur bedingt mit der DDR vergleichen.

Aber wie war denn nun die DDR Wirklichkeit?

Wer den Mund hielt und sich anpasste, kam, wie das überall der Fall ist, gut durch. Wer aber nur den Anschein erweckte oppositionell eingestellt zu sein, hatte nichts zu Lachen. Er wurde, bis in den Intimbereich hinein, perfekt observiert und kontrolliert. Dagegen ist das, was bei uns an "Überwachung" und "gläsernen Bürger" beklagt wird, geradezu lachhaft. "Protestaktionen" hatten in der DDR viele Jahre härtesten Knast zur Folge.

Das Unrecht, in Form massiver Verdrehung von Fakten, war allgegenwärtig und es fanden sich immer Gründe, um "bei Bedarf" harmlose Dinge, bei denen man sich nichts dachte, aufzubauschen und zu einem Strick zu drehen. So kam ein Mann mal jahrelang in den Knast, weil er dummerweise ein aus dem Westen kommendes Flugblatt aufgehoben hatte. Das wurde ihm als "Antisozialistische Propaganda und staatsfeindliche Hetze" ausgelegt. Wenn man nicht spurte war man sehr schnell ein "Saboteur" und "Agent des Imperialismus", und das waren schwerste Vergehen.

Auch konnte es durchaus sein, einen Sammler, zu bezichtigen, ein Warenlager zwecks illegalen Schwarzhandels aufgemacht zu haben. Wertvolle Sammlungen konnten so ohne weiteres konfisziert und zu "Volkseigentum" werden. Dazu konnte es ausreichen, eine größere Menge Weinflaschen im Keller zu haben. Ließ sich gegen einen Unliebsamen nichts finden, konnten auch gezielt Gerüchte und Verleumdungen gestreut und der Unliebsame mit Vergehen und Verbrechen, mit Vorliebe auf sittlichem Gebiet, in Verbindung gebracht werden, die allgemeine Abscheu erregten und den so Verleumdeten ausgrenzten.

Wer das Arbeiter-und Bauernparadies" verlassen wollte, konnte es besonders schlecht ergehen. Hier nur ein Beispiel:

"Es ist der 14. März 1966. Der zehnjährige Jörg Hartmann, der mit seiner Mutter in Ostberlin wohnt, wollte seinen Vater besuchen, der im Westteil lebt. Zusammen mit seinem 13jährigen Freund Lothar Schleusner geht er in den Kleingarten der Familie, der direkt an der Grenze liegt. Als beide über den Zaun steigen wollen, fallen mehr als 40 Schüsse. Beide Jungen fallen schwer verletzt zu Boden. Sie werden in ein für solche "Zwecke" vorhandenes Polizeikrankenhaus gebracht. Der 13-jährige Lothar stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus. Jörg lebt noch. Doch anstatt ihn zu behandeln lässt man ihn auf einer Pritsche im Gang qualvoll sterben. Die Angehörigen werden 14 Tage später informiert. Die eingeäscherten Urnen sind bereits anonym auf einer Wiese für Sozialbestattung beerdigt worden. Die Todesursachen werden gefälscht: Jörg sei beim Baden in eine Schiffsschraube gekommen und ertrunken. Lothar sei in der Nähe von Leipzig(!) bei einem Stromschlag ums Leben gekommen."

Wenn jemandem die Flucht gelang, war das für die zurückgebliebene Familie nicht ungedingt erfreulich. Es gab zwar keine Sippenhaft, der Staat trat aber als "Erbe" auf und übernahm die Vermögensteile, zum Beispiel am Grundeigentum und sonstigem Vermögen, das anteilmäßig dem "Republikflüchtling" zugerechnet werden konnte.

Im Falle der beiden Jungen, die ihr unbesonnenes Verhalten mit dem Leben bezahlten, bekam der Todesschütze "der nur seine Pflicht getan hatte", im wiedervereinigten Deutschland 20 Monate auf Bewährung.

Hier zeigt sich etwas ganz Typisches:

Die Dummen sind und bleiben immer die Opfer. Von den bisherigen Machthabern werden sie übergangen und von den neuen ignoriert, einmal weil es Geld kosten würde und zum anderen, ein Aufarbeiten die "Harmonie", das "neue friedliche und versöhnliche Zusammenleben stören würde", und zudem kann man ja nie wissen ob man die alten Kader nicht noch mal braucht, und vielleicht sind die Opfer auch nur "selbst schuld" oder "übertreiben". "Hätten sie doch den Mund gehalten und sich angepasst, sie wussten ja, was ihnen blüht."

So ist es, so war es und so wird es bleiben.

Ich meine aber, das solche Erfahrungen, nicht davon abhalten sollen, sich für die Wahrheit einzusetzen. Christen leben hier traditionell gefährlich. Wir müssen Gott aber mehr gehorchen als den Menschen und Zeugnis für die Wahrheit geben.

Im Neuen Testament lesen wir: Rächt euch nicht ihr Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes. Das heißt wir sollen nicht nach Vergeltung rufen, sondern vergeben, ja sogar für die Übeltäter beten, dass sie auf den rechten Weg finden. Das ist was Gott will,

Aber eines ist auch klar: Wer meint, dass geschehenes Unrecht auf Ewig unentdeckt bleibt und dafür nicht Rechenschaft gefordert werden wird, täuscht sich ganz gewaltig.

Und eines ist auch bemerkenswert: Der ganze Ostblock, einschließlich DDR, ist sang- und klanglos zusammengebrochen, hat sich aufgelöst ohne dass es dazu menschlicher Machtmittel bedürft hätte. Das sollte zu denken geben. Gott, als der Herr der Geschichte, ist es auch hier, der einer Sache ein Ende setzt. Das sollte uns zu denken geben, auch im Bezug auf unser Land und unsere Zeit!!

Als Christen wollen wir keine Vergeltung, sondern dass die Wahrheit schon jetzt und nicht erst am Jüngsten Tag, ans Licht kommt. Nur darum geht es.


(Autor: Jörgen Bauer)



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