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Kindergeschichten / Gutenachtgeschichten mit Jonas

Inhalt

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Jonas und der Tod




In der letzten Ferienwoche erlebte Jonas zwei Mal etwas, dem jeder Mensch im Leben einmal begegnet und was ihn einmal sehr traurig und einmal sehr glücklich machte. Doch der Reihe nach.
Eigentlich hatte Jonas´ geliebtes Zwergkaninchen Nissel den Umzug im Transportstall (ein alter Kanarienvogelkäfig vom Dachboden) gut überstanden.

Der handwerklich sehr begabte Märchenopa brachte schon nach kurzer Zeit einen Luxusauslauf für Nissel vorbei, der es Nissel nicht nur ermöglichte, sich nach Herzenslust auszutoben, sondern der auch noch mit einem Drahtgeflecht überdacht war. So stellten Katzen, Hunde oder Raubvögel keine Gefahr für Nissel dar.
Samantha hatte Nissel bekommen, als sie sieben war. Als sie älter wurde und andere Sachen interessanter fand, war Jonas der neue Pflegevater von Nissel geworden.
Das machte er so gut, dass Papa ihn letztens bei Mama in den höchsten Tönen lobte: "Also unser Jonas ist ein sehr verantwortungsvoller Tierpfleger", sagte er, "mich wundert, das er mit sieben seine Aufgabe schon so gewissenhaft erfüllt!"
Jonas, der gerade als Papa das sagte, über den Flur ging, war sehr stolz auf dieses Lob. Beim Reinigen des Stalles oder beim Schneiden der Krallen benötigte er zwar meistens die Hilfe von Papa und Mama, aber sonst hütete er Nissel wie seinen Augapfel. An Nissels mutmaßlichem Geburtstag, an Weihnachten oder Ostern, selbst wenn Jonas Geburtstag hatte, bekam Nissel sogar jedes Mal die teuren Joghurtdrops für Kleintiere aus der Drogerie von Jonas´ Taschengeld spendiert. Diese verputze Nissel mit großem Vergnügen.
Nissel war ein total zahmes Zwergkaninchen und Jonas spielte manchmal stundenlang alles Mögliche mit ihm. Geduldig ließ das kleine Langohr dieses mit sich geschehen. Dazu muss man aber anmerken, dass Jonas Nissel nie weh tat, sondern vorsichtig wie mit einem rohen Ei mit ihm umging. Die beiden liebten sich innig. Ab und an hatte Papa mal gesagt, dass Nissel eigentlich schon ein sehr alter Zwerghase sei und dass Tierleben meistens sehr viel kürzer waren als Menschenleben. Doch davon, dass Nissel irgendwann nicht mehr da sein sollte, wollte Jonas nichts hören.
Es war für ihn unvorstellbar, das die kleine Schnuppernase eines Tages nicht mehr neugierig und erwartungsvoll am Gitter erscheinen sollte, wenn Jonas um die Ecke bog.
Als Jonas an diesem Morgen zum Stall kam, um Nissel zu füttern, hörte er gar nicht das hektische, freudig erregte Rascheln, welches Nissel im Stroh erzeugte, wenn sich jemand dem Stall näherte. Es war ganz still.
Jonas öffnete die Stalltür und sah Nissel leblos in einer Strohhöhle liegen, als habe er sich nur zum Schlafen hingelegt. Der Brustkorb von Nissel bewegte sich nicht und Jonas spürte, dass Nissel tot war.
Geschockt und ungläubig schauend stand er eine Minute da und tat nichts. Dann rief er entsetzt mit lauter Stimme seine Mama, wobei die Tränen ihm plötzlich aus den Augen schossen.
Mama, die schon an der Stimme von Jonas gehört hatte, dass etwas Furchtbares passiert sein musste, kam angerannt und erkannte sofort die Situation. Sie drückte Jonas an sich und streichelte ihm über den Kopf.
Selbst in den schlimmsten Situationen bekommen Kinder den ersten Trost am warmen Bauch einer liebenden Mama. Nach und nach wurde Jonas´ Weinen ruhiger und ging in ein leises Schluchzen über.
Gerade jetzt erschien auch noch Tim am Gartentor, der am Vortag mit seinen Eltern aus dem Urlaub zurückgekommen war.
Mama rief ihm kurz zu, was passiert war und wie es gute Freunde tun, streichelte er Jonas über den Rücken und sagte: "Wenn du mich brauchst, bin ich für dich da, dann melde dich einfach bei mir", und ging wieder.
Mama und Jonas gingen rein und riefen Papa auf der Arbeitsstelle an, um ihm die traurige Nachricht mitzuteilen. Papa wollte am Abend Nissel zusammen mit Jonas beerdigen. Den ganzen Tag verzog sich Jonas auf sein Zimmer, wollte nichts essen und war untröstlich. In seinem Fotoalbum, welches Mama ihm geschenkt hatte, betrachtete er immer wieder die vielen Schnappschüsse, die ihn zusammen mit Nissel zeigten.
Selbst Sam, die sich nachmittags von einer Freundin aus telefonisch meldete, bei der sie nach den drei Wochen Zeltlager noch eine Woche Urlaub am alten Wohnort verbrachte, hatte nach der traurigen Nachricht eine weinerliche Stimme gehabt, sagte Mama zu Jonas.
Abends kam Papa nach Hause und nahm Jonas in den Arm. Da musste Jonas wieder fürchterlich weinen. "Überleg´ dir schon einmal, wo wir Nissel beerdigen sollen", sagte Papa und holte einen Schuhkarton aus dem Keller, den er mit warmen Füllmaterial aus einem anderen Karton auslegte. Währenddessen überlegte Jonas hin und her. Dann sagte er: "Unter der Sonnenblume beerdigen wir Nissel, denn Nissel liebte es in der Sonne zu liegen." Papa, der Nissel mittlerweile in den Karton gebettet hatte, grub nun mit einer kleinen Schaufel ein Loch vor der Sonnenblume. Bevor Jonas´ Papa den Karton zumachte, streichelte Jonas noch einmal über sein Fell und seinen kalten Körper. "Tschüss, mein Nissel," sagte er mit Tränen in den Augen. Dann legten sie den Karton in das Loch und bedeckten ihn mit Erde. Auch Mama war dazu gekommen und legte tröstend einen Arm um Jonas´ Schulter.
"Nichts bleibt auf dieser Erde für immer, auch wir gehen einmal, mein Junge", sagte Papa. "Schau, Nissel hat ein wunderschönes Leben bei uns gehabt und das erfüllt, für das Gott ihn bestimmt hatte. Nissel hat dich Verantwortung gelehrt und dir gezeigt, was Vertrauen und Liebe ist.
Jetzt ist er alt und erschöpft für immer eingeschlafen. Der Tod gehört mit zum Leben und viele Menschen fürchten sich davor. Ein kluger Mensch hat einmal gesagt: Wenn man mit einer Hand dem Tod die Tür zuhält, hat man nur noch eine Hand übrig zum Leben und das wäre doch schade."
Am Bett redeten Papa und Jonas darüber, ob Jonas ein neues Kaninchen erhalten solle.
"Denk erst einmal ein paar Tage darüber nach, denn Liebe an jemand zu verschenken, bedeutet auch irgendwann Leid in Kauf zu nehmen, wie du jetzt weißt", sagte Papa. Danach dachte Jonas noch ein bisschen an die vielen schönen Stunden mit Nissel und weinte ein wenig. Irgendwann schlief er ein. Am nächsten Tag ging das Leben für Jonas zwar weiter, doch anders und ein wenig ernster als zuvor.
Einige Wochen später trat Nissel 2 in Jonas Leben, doch das ist eine andere Geschichte...

Autor: Hans-Georg Wigge



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